Regie: Arthur Robison
GB 1929, 100 Min.
Produktion: British International Pictures
Drehbuch: Rolf E. Vanloo, nach dem Roman von Liam O’Flaherty
Kamera: Werner Brandes, Theodor Sparkuhl, Schnitt: Emile de Ruelle
Mit: Lya de Putti, Lars Hanson, Warwick Ward, Carl Harbord, Dennis Wyndham, Janice Adair

Arthur Robison: The Informer
Gunther Buchwald, Frank Bockius
Donnerstag, 05.11.2026 | 20.00 Uhr | Lichtwerk
Liam O’Flahertys Geschichte eines irischen Revolutionärs, der einen seiner Kameraden verraten hat und nun von den andern verfolgt wird, ist vor allem durch die Tonfilmversion von 1935 unter der Regie von John Ford (einem Cousin des Autors) bekannt geworden. Doch schon vier Jahre nach dem Erscheinen des Romans entstand diese erste Filmversion, die Fords berühmtem Film mindestens ebenbürtig ist.
„The Informer hat alle Kennzeichen eines klassischen Hollywood-Noirs – nur ein Jahrzehnt zu früh und einen Ozean entfernt. Er war eine Spitzenproduktion von British International Pictures, gestaltet von einem kosmopolitischen Team, wie es für die europäischen Filme der späten zwanziger Jahre typisch war. (…) Diese stumme Version, angesiedelt in dem revolutionären Gärprozess des gerade unabhängig gewordenen Irlands, trifft das Wesentliche des Romans, die Atmosphäre einer Welt ohne Entrinnen. (…) Robison drehte fast ausschließlich im Studio, in Großaufnahmen und mittleren Einstellungen, um ein Gefühl der Enge zu vermitteln, und ließ den Film beinahe in ‚Realzeit‘ spielen – wie der Roman in einem Tag und einer Nacht –, wodurch die Noir-hafte Anspannung entsteht.“ (Bryony Dixon, Katalog Il cinema ritrovato, Bologna 2017)
Die Fachzeitschrift Der Kinematograph beobachtete: „Großer Tag für den englischen Film in Deutschland. Ein besonders gespanntes und kritisches Publikum bei der Uraufführung. Gespannt, weil es sich um eine Arbeit der großen englischen Produktionsgruppe handelt, die ein feinnerviger Regisseur geschaffen hat, der bei uns in Deutschland groß geworden ist. (…) Regietechnisch ist der Film mehr als interessant. Bemerkenswert die deutschen Entwürfe von Robert Herlth und Walter Röhrig, die in den Ateliers von Elstree eine phantastische Welt ersehen ließen. Enge, winklige Gassen, Ausblick auf große Straßen mit Wagengewirr von einer Plastik, dass man kaum glaubt, dss es sich hier um Innenbauten handelt, wenn man nicht selbst vor dieser Dekoration in London gestanden hätte.“