Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
D 1925, 65 Min.
Produktion: Erich Pommer
Drehbuch: Carl Mayer
Kamera: Karl Freund
Mit Emil Jannings, Rosa Valetti, Werner Krauß, Lil Dagover, Lucie Höflich

Friedrich Wilhelm Murnau: Tartüff
Vorfilm: Don Juan heiratet oder Der Herzensknicker
Bielefelder Philharmoniker, Komposition und Dirigat: Bernd Wilden
Freitag, 06.11.2026 | 20.00 Uhr | Rudolf-Oetker-Halle
Als Film im Film inszeniert Friedrich Wilhelm Murnau nach seinem Erfolgsfilm Der Letzte Mann die Geschichte des „Herrn Tartüff“ ästhetisch diametral entgegengesetzt. Hatte er mit seinem Kameramann Karl Freund 1924 im Letzten Mann die „entfesselte Kamera“ erfunden, die zum stilistischen Hauptkennzeichen des Filmexpressionismus werden sollte, kehrt er ein Jahr später in seinem auf Molières Komödie „Tartuffe“ aus dem Jahr 1664 zur statischen Theaterperspektive, zur Guckkastenbühne des frühen Kinos zurück.
Die Rahmenhandlung zeigt einen wohlhabenden alten Herrn, der von seiner Haushälterin aus reiner Nächstenliebe gepflegt wird – so glaubt er zumindest. Denn eigentlich hat es die habgierige Frau einzig auf das Vermögen des kranken Mannes abgesehen. Und teilen will sie das Geld schon gar nicht, deshalb verbreitet sie allerlei Schlechtes über den Enkel des Alten und erreicht damit, dass der junge Mann enterbt wird. Der Enkel aber denkt gar nicht daran, aufzugeben. Er nutzt vielmehr sein schauspielerisches Talent, um das wahre Gesicht der Haushälterin zum Vorschein zu bringen. Selbst bis zur Unkenntlichkeit verkleidet, führt er in seinem Wanderkino einen Film vor, der ein Gleichnis zu der Intrige der gierigen Haushälterin darstellt. Als der Enkel nach der Vorstellung seine Maske abnimmt, verrät sich die Haushälterin – nun erkennt auch der alte Herr, dass sie es nur auf sein Geld abgesehen hatte, und jagt die hinterhältige Person davon.
Der in seinem Werk in zweiter Reihe stehende Film zeigt Murnaus Sinn für Humor und Selbstironie in der fast ironischen Verwendung der zeitgenössischen Stilmittel. Auch lässt die Story mit dem Verstoßen des unliebsamen, kinoliebenden Enkels an Murnaus Vater denken, dessen Kaufmannsverstand seinem sensiblen, kunstliebenden Sohn die Flausen aus dem Kopf zu prügeln versuchte. Grund genug dafür, diese Preziose aus dem Schatten ans Licht zu bringen.
Als Vorfilm zeigen wir die 15minütige, 1909 gedrehte Komödie “Der Herzensknicker oder Don Juan heiratet”, die Bernd Wilden bereits 2002 mit einem Ensemble der Kunst- und Musikschule Bielefeld in der Rudolf-Oetker-Halle zur Aufführung gebracht hatte, in seiner überarbeiteten Komposition. Die Welturaufführung der Neukomposition “Tartüff” durch den Bielefelder Komponisten und Dirigenten Bernd Wilden wird ermöglicht durch die Hanns-Bisegger-Stiftung. Wilden dirigiert seine damit sechste Neukomposition eines Murnaufilms mit den Bielefelder Philharmonikern.